CD2 für Nikon D2x

Quelle: Unterwasserwelt.de
Artikel: Herbert Frei

Wenn man den Zweikampf zwischen Canon und Nikon um den Spitzenplatz im Kamerabau in den letzten Jahren verfolgte, musste man den Eindruck gewinnen, Nikon stehe auf verlorenem Posten gegen den agileren Konkurrenten. Mit der D2X, einer High-Tech D-SLR bester Güte, hat sich der einst unter Wasser führende Kamerahersteller aber wieder nach vorne gearbeitet und Boden gut gemacht. Herbert Frei über eine Digitalkamera mit besonderen Fähigkeiten und ein UW-Gehäuse, das perfekt als Arbeitsgerät darauf zugeschnitten wurde.

Fast vier Jahre hat es gedauert, bis Nikons erste Profi D-SLR, die legendäre D1X, von der D2X abgelöst wurde - eine Ewigkeit in Zeiten vierteljährlicher Produktionszyklen bei den digitalen Kompaktkameras. Hiermit beweist Nikon, dass man auch im Zeitalter der Pixelhektik noch langfristig planen und fertigen kann und sich nicht von modischen Trends beeinflussen lassen muss. Herausgekommen ist eine Profikamera mit teilweise verwirrenden Möglichkeiten, aus denen man sich die wirklich relevanten für seine Zwecke aussuchen muss. Kleinigkeiten, die man an anderen digitalen Spiegelreflexkameras eigentlich nicht vermisst, runden hier aber das Sternemenü gekonnt ab. So ist die Speicherkartenklappe aufwändig gegen versehentliches Öffnen gesichert, die Feinkorrektur des gewählten Weißabgleichs kann in drei Schritten nachjustiert werden und wer mit der D2X und einem Stativ untertaucht, der kann bis zu zehn Aufnahmen in Folge belichten und diese zu einem Kunstwerk zusammenfügen. Und obwohl der Sucher der D2X aufgrund des im Verhältnis zum Kleinbildformat kleineren APS-Bildsensor sichtbar kleiner sein sollte, ist davon kaum etwas zu spüren. Nikon hat das optisch sehr gut ausgeglichen.

Sensortechnik

Noch setzt Nikon auf APS-Bildsensoren, doch seit langem wird gemunkelt, dass ein Vollformatsensor wie er beim Mitbewerber Canon seit langem in den EOS-Kameras verwendet wird, bei Sony in Auftrag gegeben wurde. Man wird sehen, was die nächste Photokina bringen wird. In der D2X jedenfalls werkelt ein 12,4 Megapixel CMOS Bildsensor mit den Maßen 23,7 mm x 15,7 mm auf höchstem Niveau. Denn obwohl die Pixelabstände nur 0,0055 mm betragen und somit die Lichtempfindlichkeit der Fotodioden begrenzt wird, überzeugt die D2X mit einem sehr geringen Rauschen selbst bei ISO 400/27°. Das bedeutet, ISO 200/24° und 400/27° sind absolut fototauglich, selbst im Nahbereich. Die D2X ist hier qualitativ jedem ISO 400/27° Film überlegen. So wie man weiterhin sagen kann, dass mit diesem Bildsensor das Niveau analoger Kleinbildaufzeichnung erreicht ist. Bei hohen Auslösefrequenzen, wie sie unter Wasser aber kaum vorkommen dürften, liest die D2X nur die mittleren 6,8 Megapixel aus. Dann kann allerdings mit 8 Bildern pro Sekunde Dauerfeuer abgegeben werden. Im Highspeed - Bildformat vergrößert sich der Crop Faktor (Brennweitenverlängerung) auf 2,0.

Telewirkung

Der Bildwinkel- bzw. Crop Faktor beträgt 1,5. Kleinbildobjektive wirken an der D2X deshalb so, als hätten sie eine um den Faktor 1,5 verlängerte Brennweite. In Wirklichkeit verkleinert sich aber nur der Bildwinkel. Ein 105 mm Makroobjektiv besitzt an der D2X den Bildwinkel eines 157,5 mm Teleobjektives und ein 14 mm Superweitwinkel wirkt wie ein 21 mm Objektiv. Damit sind zumindest mit Kleinbildobjektiven keine hypergroßen Bildwinkel umsetzbar. Selbst das 16 mm Kleinbild - Fisheye kommt statt 180° nur noch auf magere 114°. Doch sollte man das nicht so eng sehen. In den USA fotografieren die Cracks häufig mit dem 16 mm Fisheye und bekommen so den Bildwinkel eines Kleinbild -14ers mit leichten Torsionserscheinungen, die aber bei Abbildungen von Tauchern, Korallen, Großfischen und Schwämmen nicht ins Gewicht fallen. Wegen des Crop Faktors produziert Nikon deshalb auch spezielle Objektive, die auf den kleineren APS-Bildsensor abgestimmt sind. Knalleroptik ist sicherlich das 10,5 mm Nikkor Fisheye, dessen enorme Schärfentiefe zu allerlei Experimenten reizt. Verstärkt setzen Nikon und die Fremdhersteller auf sog. Weitwinkelzooms für das APS - Sensorformat. Brennweiten wie 12-24 mm (entspricht 18-36 mm Kleinbild) oder 10-22 mm (entspricht 15-33 mm Kleinbild) versprechen bei Naheinstellungen unter 30 cm enorme Flexibilitäten hinter einem dafür abgestimmten Domeglas. Nikon-Makroobjektive (60 mm; 105 mm) können an der D2X ohne sichtbare optische Qualitätseinbußen verwendet werden. Es verringert sich nur der Bildwinkel. Diese Lösung ist preiswert für Analogfotografen, die um- oder aufsteigen. Spezielle D-Makroobjektive von Sigma, Tamron und Tokina optimieren hingegen die Bildergebnisse mit dem APS-Bildsensor. Wer sich für die D2X neue Makroobjektive zulegen will, sollte sich deshalb hier orientieren und gleich das Optimale kaufen.

Autofokus – Monster

Die Möglichkeiten, mit der D2X automatisch scharf zu stellen, sind so groß, dass man als Anwender fast die Übersichtlichkeit verlieren kann. Lassen Sie sich nicht auf irgendwelche AF - Sonderfunktionen ein. Konventionell können Sie den AF an der linken Gehäuse - Vorderseite auf S (S = Single-AF = Schärfepriorität) einstellen sowie das mittlere AF - Messfeld anwählen und festloggen. In dieser Position können Sie Serien schießen, denn der Single - AF ist mit einer Prädiktion gekoppelt, die genau errechnet, wo das Objekt nach dem Fokussieren steht. Das funktioniert sogar bei relativ schnell schwimmenden Fischen. Wer es noch mobiler mag, stellt den AF auf C (C = Continous-AF = Auslösepriorität). Hier folgt der AF kontinuierlich den Fischbewegungen. Zusätzlich kann man den Autofokus-Modus so programmieren, dass sich die Sensoren auf den 11 AF - Messfeldern der Objektbewegung anpassen. Im Unterwassereinsatz hat sich die dynamische Messfeldsteuerung gekoppelt mit Schärfenachführung und Einzelautofokus bestens bewährt.

Belichtungsmessung

Neben Matrix, Integral- und der üblichen Spotmessung lässt sich Spot noch zusätzlich durch Verringern des Messfeldes auf 2% selektieren. Das benötigt man unter Wasser eigentlich nicht. Sie sind gut bedient, wenn Sie mit der Matrixmessung fotografieren, mit oder ohne Blitz. Der Schlitzverschluss der D2X beherrscht Zeiten zwischen 30 s und 1/8000 s. Die schnellste Synchronzeit beträgt 1/250 s. In Abhängigkeit des Umgebungslichtes variiert sie zwischen 1/60 s und 1/250 s. Zusätzlich verfügt die D2X blitztechnisch über eine Slow- und eine Rear - Funktion. Bei ersterer kann auf den 1. Verschlussvorhang bis 30 s synchronisiert werden (gut für Mischlicht), mit Rear blitzt man auf den 2. Verschlussvorhang und erzielt interessante Wischeffekte. Vorteilhaft ist die Begrenzung der längsten Synchronzeit. Diese ist wichtig, wenn man in tieferen Wasserschichten fotografiert und sich dadurch die Verschlusszeit durch Slow so verlängern würde, so dass es zu Verwacklern kommen könnte. Längere Synchronzeiten als 1/15 s sollten Sie nicht vorwählen, wenn freihand fotografiert wird. Bemerkenswert kurz ist die Auslöseverzögerung. Wenn man den AF - Einstellvorgang unberücksichtigt lässt, was im Prinzip korrekt ist, tendiert die Auslöseverzögerung gegen Null. Sie ist praktisch nicht messbar. Die D2X ist deshalb als Reportagekamera und Schnappschussgerät kaum zu übertreffen.

Kartenspiel

12,4 Megapixel wollen erst mal verarbeitet sein. Mit einem 256 MB Kärtchen ist es nicht getan, wenn mit hoher Auflösung und TIFF bzw. RAW fotografiert wird. Mit steigender Pixelzahl vergrößern sich die Dateien, selbst beim speicherplatzsparenden JPEG Format. Unter 1GB sollten Sie nicht antreten, wenn RAW (20,7 MB pro Bild) oder TIFF (36,5 MB pro Bild) bzw. Kombinationen aus RAW und JPEG (26,6 MB pro Bild) gespeichert werden. Die D2X ist eine Bildermaschine, die gut und gerne 4 und 6 GB-Karten je nach Dateiformat vertragen kann. Mit einem 6 GB Microdrive stehen Ihnen im TIFF Format ca. 156 Bilder zur Verfügung. In RAW und JPEG natürlich entsprechend mehr. Serienschüsse, wie sie schon mal beim Ablichten von Großfischen vorkommen können, schluckt die D2X anstandslos. Abgelegt werden sie in einem Zwischenspeicher, der je nach Dateiformat zwischen 16 (TIFF bzw. RAW + JPEG) und 22 (JPEG) Bilder verarbeiten kann. Dann reduziert sich die Bildrate, bis die Bilddateien auf dem Microdive oder der Speicherkarte abgelegt sind. Das kann allerdings dauern, insbesondere bei den mobilen Festplatten (Microdives). Aber selbst mit einer Highspeed - Karte wird die Geduld hin und wieder strapaziert. Zwischen 20 s (JPEG) und 530 s (TIFF) dauern die Speicherzeiten. Wer eine 4 GB-Speicherkarte mit TIFF - Bildern füllen will, muss einen 60 minütigen Tauchgang einplanen, sonst wird es knapp. Andererseits wären bei Verwendung von Kleinbildfilm und seinen 36 Aufnahmen 5 Tauchgänge nötig, um zur vergleichbaren Menge technisch hochwertig produzierter Bilder zu gelangen.

Blitzorgie

Die D2X verfügt über die hochkomplizierte i-TTL, von der man sagt, dass es noch keinem amphibischen Blitzgerätehersteller gelungen sei, sie nachzubauen. Die vollständige Entschlüsselung des Blitzprotokolls harrt also weiter dem Tatendrang innovative Hacker. Wer mit der D2X komfortabel TTL-Blitzbelichten will, muss das mit einem passenden Systemblitz machen. Entweder mit dem SB-600 oder dem SB-800. Aus sage und schreibe 6 unterschiedlichen Blitzsynchronisationen kann der verwirrte Anwender wählen. Wer sich nicht in endlosen Testreihen verheddern möchte, sollte seine Nah- und Makroaufnahmen mit der Synchronisation auf den ersten Verschlussvorhang machen. Weitwinkel- und Fisheyebilder können wegen der besseren Mischlichtabstimmung mit der Langzeitsynchronisation „Slow“ gemacht werden. Offen gibt Nikon zu, dass die korrekte TTL - Blitzmessung bei Verwendung von externen Blitzgeräten auch von der eingestellten Empfindlichkeit und der Blende abhängt. Was aufmerksame UW - Fotografen und erfahrene Tester seit vielen Jahren wussten, ist nun belegt. Exaktes TTL - Blitzen geht eben nicht bei allen Blenden und hat auch bei sehr hohen ISO - Zahlen irgendwann ein Ende. Mit TTL geblitzt werden kann bis ISO 800/30°, aber im Makrobereich nur bis zur größten Blende 6,7. Bei ISO 400/27° ist bei Blende 5,6 Feierabend, ISO 200/24° schafft noch Blende 4,8. Und beim Standardwert ISO 100/21° ist auch Blende 4 noch zu gebrauchen. Ohne Blitzbelichtungskorrekturen versteht sich. Die vorstehenden Werte gelten allerdings nur für original Nikon - Blitzgeräte. Wie sich das mit einem trägen Amphibienblitz und großer Ringblitzröhre verhält, wissen routinierte Tester aus Erfahrung. Die beim Systemblitz festgestellten Mindest - Blitzblenden bei ISO 400 sind dann schon bei ISO 100 erreicht. Vergeblich wird man an der D2X eine Blitzbelichtungskorrektur suchen. Minuskorrekturen werden entweder mit der normalen Belichtungskorrektur im Slow - Modus eingegeben oder man nimmt sie am Systemblitzgerät vor. Amphibische Blitzgeräte sollten in Zukunft diesen Aspekt berücksichtigen. Dies ist im Prinzip der einzige Punkt, den man der D2X ankreiden kann. Auf die Blitzbelichtungskorrekturen an der Kamera hätte man nicht wirklich verzichten müssen. Die finden sich sogar an vielen Einsteigermodellen, die nicht einmal annähernd die Klasse der D2 X besitzen.

Wahlprogramm

Den Weißabgleich können Sie beruhigt auf Automatik stehen lassen. Er funktioniert in diesem Modus mit oder ohne Blitzeinsatz nahezu perfekt. Individuelle Einstellungen sind zumindest im Unterwasserbereich nicht erforderlich. D2X - Besitzer werden vermutlich die Bilder nachbearbeiten und oftmals im RAW (NEF)-Format fotografieren. Stellen Sie deshalb den Farbraum auf Adobe RGB. Für die Nachbearbeitung ist das besser. Verwirrend ist, dass Nikon der DSX neben dem normalen sRGB - Farbraum noch andere sRGB - Farbräume (portraitgeeignet oder für Natur- und Landschaftsaufnahmen) zur Verfügung stellt. Ebenso hat man es mit dem Scharfzeichnen übertrieben. Geschlagene 7 Optionen buhlen um die Entscheidungskraft des fassungs- und ahnungslosen Käufers. Unser Rat: Die Standardeinstellung fest eingeben, da machen Sie nichts falsch. Auch, wenn nachbearbeitet wird. Individualistisch wurde der Lithium-Ionen Akku gestaltet. Er gehorcht einer herstellereigenen Konfiguration, die es nur bei Nikon gibt. Sie können deshalb diesen Akku nicht im Schnäppchenmarkt erstehen und auch nicht durch Mignonzellen ersetzen. Ersatzakkus gibt es nur im Fachhandel, bei Nikon und den autorisierten Service - Betrieben. Beachten sie dies bei Fernreisen. Die Kapazität (21 Wattstunden) ist ausreichend groß. Etwa zwei Tage kann man bei einem normalen Bilderverbrauch damit fotografieren.

Sealux UW-Gehäuse CD 2

Markantes Zeichen aller professionellen Sealux - Gehäuse ist der fest eingebaute Grandsucher, der weit nach hinten absteht und auch dem größten Mundstück der zweiten Stufe am Atemregler kein Chance auf Rückdeckelkontakt bei Fotografieren lässt. Dieser Sucher ist das Herzstück des CD 2-Gehäuses, denn er macht die UW - Fotogerätschaft zu einer runden und gefälligen Einheit. Man kann das CD 2 auch ohne den Grandsucher mit dem LD-Sucher (Long Distance). Es wäre allerdings so, als würde man einen Formel 1 Renner mit runderneuerten Rollerreifen bestücken. Große Sucher sind ein Segen. Und den sollte man nicht ablehnen. Denn wenn es schnell gehen muss, kann man die Motive auch ohne die Tauchmaske am Okular anzulegen aus moderater Entfernung optisch anpeilen. Gegen vagabundierendes Streulicht ist der Grandsucher mit einer faltbaren Sonnenblende versehen, die auch als Transportschutz dient. Leider lässt sich dieser Sportsucher nicht demontieren. Das möglicherweise einzige Manko, das man an ihm neben einer ausgeprägten Zentrumsschärfe entdecken könnte. Umfassend bedient

Digitale Spiegelreflexkameras sind heutzutage ausgerüstet wie das Cockpit eines Kampfhubschraubers. Und der Gehäusehersteller muss diesem Trend folgen, auch wenn er es vielleicht gar nicht will und es selbst mit viel Zugeständnis und Optimismus oftmals nicht nachvollziehbar ist. Denn anspruchsvolle Kunden wollen alles bedienen können, auch wenn sie die meisten Funktionen nie benutzen und im Bedarfsfall noch weniger beherrschen. Mit 26 Übertragungen ohne die zwei Blitzbuchsen ist mittlerweile ein Niveau erreicht, das an die fatale Logik eines Lottosystems erinnert. 7 aus 26 lauten die Gewinnzahlen. Mehr braucht man selbst als Profi nicht. Wir kamen in den meisten Fällen sogar mit 3 aus 26 aus. Es müssen allerdings die richtigen Knöpfe und Hebel sein. Blende, Verschlusszeit, Auslöser waren beim manuellen Blitzen fast immer ausreichend. Manchmal veränderten wir noch die ISO-Zahl (schlechtes Umgebungslicht), den Belichtungsmode (von M auf A oder S = Bilder ohne Blitz) und die Plus/Minus-Korrektur, selten den AF - Modus. Der Blitzbelichtungsmodus wurde gelegentlich in Anspruch genommen. Aber nur, wenn es wirklich Sinn machte. Unterwasserfotografie, die erfolgreiche jedenfalls, orientiert sich nicht an sinnlosen Spielereien, sondern an der richtigen Belichtung und einer dynamischen und gefälligen Bildgestaltung. Modeprogramme und Softwaretorheiten sind da wenig hilfreich. Zum Glück ist das CD 2 so konzipiert, dass man die überflüssigen Eingriffe ohne in Verwirrung zu geraten, ignorieren kann. Ein- und Ausschalten der Kamera hat immer sehr gut funktioniert, wie auch alle Eingriffe unter Druckeinfluss anstandslos ihren Dienst verrichteten. Insofern muss man der Fertigung eine hohe Präzision zugestehen. Zwei Eingriffe sind etwas problematisch, weil man sie unter Wasser entweder versehentlich verstellen oder schon beim Einbau der Kamera falsch positionieren kann. Betroffen ist der CSM - Schalter, der an jeder Nikon D-SLR Kamera links vorne angebracht ist. Hier gilt definitiv: Man sollte das Gatter nicht erst schließen, wenn die Pferde entlaufen sind. Kontrollieren Sie nach jedem Einbau penibel den CSM - Schalter am UW - Gehäuse, ob nicht versehentlich die manuelle Scharfeinstellfunktion aktiviert ist. Das passiert sogar Leuten, deren UW - Fotografie in religiösen Dimensionen endet. Fatal ist, dass man es bei der Verwendung eines Superweitwinkels oder des 10,5 mm Fisheyes wegen der schwach ausgeprägten Schärfenebene nicht merkt. Im Nachhinein kommt dann das böse Erwachen wegen sichtbar unscharfer Bilder. Im Prinzip kann man auch ohne den CSM - Schalter leben, weil auf Position S der Prädiktions - AF nahezu irrtumfrei funktioniert und die Auslösepriorität bei der Fischfotografie im Falle der D2X nicht mehr die Bedeutung wie an einfacher gestrickten Kameras hat. Betroffen vom versehentlichen Verstellen ist auch der Hebel für die AF - Messfeldsteuerung. Ihn verdreht man gern mit dem Jacket, wenn die Kamera vor der Brust gehalten wird. Eigentlich braucht man ihn nicht. Es würde genügen, den AF - Messfeldhebel auf das Symbol „Dynamische Messfeldsteuerung mit Schärfenachführung“ (zweites Kästchen von oben) zu stellen und den Messfeldhebel zu arretieren...wenn er sich denn feststellen ließe. Wir raten Sealux, hier eine andere Lösung anzubieten (z. B. flacher Drehknopf) oder den Hebel auf Kundenwunsch ganz zu entfernen.

Aus- und Einbau

Der Realease - Knopf zum Entriegeln des Objektivbajonettes ist sicherlich kein viel verwendeter Eingriff, aber wenn ein Zoom mit Zahnrad montiert ist, kommt er zu vielbeachteten Ehren. Denn dann gelangt man nicht mehr mit Schraubendrehern und Fingern an die Entriegelung, müsste ergo die D2X ausbauen, um das Objektiv zu wechseln. Ausbauen muss man die D2X, wenn der Akku aufgeladen werden muss. Alles kann man zwar nicht haben, aber es fehlen wirklich nur einige Millimeter, dann könnte man die Kamera bis an ihr Lebensende im UW - Gehäuse lassen. Der Speicherkartenwechsel funktioniert ohne Einschränkung. Der Einbau geht im Wesentlichen recht unproblematisch vonstatten. Sie müssen die Kamera nur so legen, dass sie mit dem Stativgewindeloch fluchtet. Die Feststellschraube kann für Transportzwecke separat montiert werden. Zu empfehlen ist, vor dem Einbau der Kamera, alle Hebel und Drehknöpfe nach außen zu ziehen und erst nach erfolgter Montage der Kamera wieder in ihre Positionen zu drücken. Man muss das ein, zweimal machen, dann hat man die Zeremonie im Griff. Das Ablesen von Monitor und oberem Display ist deutlich und irrtumsfrei. Hilfreich ist dabei die Displaybeleuchtung der D2X. Der O-Ring hat eine gefällige Dicke und liegt in einer wasserabweisenden Nut mit erhabenem Innenrand. Der Rückdeckel rastet sauber ein, die Verschlüsse besitzen eine moderate Spannkraft. Das uns zur Verfügung gestellte CD 2 UW - Gehäuse war sehr gut verarbeitet und mit einer Leckwarnanlage versehen. Diese muss zum Serienumfang gehören, denn wenn die D2X absaufen sollte, aus welchen Gründen auch immer, dann ist mehr als nur eine passable Urlaubsreise versunken. Mit dem entsprechenden Objektiv versehen führt ein solcher Untergang auch bei gut betuchten Leuten zu einer seelischen Flutung.

Blitzen in allen Lagen

Die D2X besitzt Nikons hochkomplizierte i-TTL, für die es nur bedingt amphibische Blitzgeräte mit funktionaler Kommunikation gibt. Wer sorgenfrei im Makrobereich mit TTL blitzen will, kommt am Systemblitz SB-800 und am passenden Systemblitzgehäuse von Sealux nicht vorbei. Diese Kombination ist fast ein Zwangskauf und wird von UnterWasserWelt definitiv empfohlen. Auch, weil man mit einem Systemblitz keine Check-in Probleme am Flughafen bekommt. In der heutigen Zeit ein nicht unwesentliches Argument. Der Systemblitz SB-800 ist im Sealux - Gehäuse bedingt durch das gut angepasste Domeglas und je nach Blitzposition bestens für gefällige Ausleuchtungen von Brennweiten mit Bildwinkel bis zu ca. 90°, was einem Kleinbildobjektiv mit 14 mm an der D2X entspricht. Sealux hat das CD 2 mit zwei Nikonos V - Buchsen ausgestattet. Eine für die TTL - Blitzbelichtung mittels System- oder Amphibienblitz mit i-TTL-Blitzsteuerung, die andere für manuelles Blitzen mit amphibischen Blitzgeräten. Theoretisch kann man beide Blitzgeräte - Arten gleichzeitig anschließen und unter Wasser abwechselnd automatisch und manuell fotografieren... wenn man das denn will. Ob das viel Sinn macht, muss man selbst entscheiden. Manuelles Blitzen ist jedenfalls keine Hexerei, weil man die Blitzbelichtung am Monitor kontrollieren kann. Bei Nah- und Makroaufnahmen sollte man das Modusrad auf „M“ stellen. Dann können Verschlusszeit und Blende frei gewählt werden. Wird manuelles Blitzen in Verbindung mit der Zeit- oder Blendenautomatik betrieben, kann man im Modus „A“ keinen Einfluss auf die Synchronzeit nehmen und im Modus S macht die Blende, was sie will. Die diversen Blitzsynchronisationen wie SLOW (Langzeitsynchronisation), REAR (Blitzen auf den 2. Verschlussvorhang) und Synchronisation auf den ersten Verschlussvorhang sind alle sowohl TTL - fähig als auch mit manueller Blitzbelichtung umsetzbar. Leider ist die Auswahl von amphibischen Blitzgeräten mit i-TTL beschränkt. Subtronic bietet eine Digitalserie (Mini, Midi, Maxi) mit Heinrich-i TTL - Konverter an. Laut Subtronic soll ein störungsfreier Betrieb möglich sein. Die andere große Alternative kommt von Seacam. Der mit einem Microcontroller ausgestattete neue Seaflash könnte das Zünglein an der Waage der digitalen Spiegelreflexfotografie werden. Noch fehlen die entsprechenden Tests, UnterWasserWelt wird am Ball bleiben und so bald wie möglich Testergebnisse präsentieren.

Universaldome

Weil UW - Fotografen immer mit Volumen und Gewicht der Fotogerätschaft hadern, gehen immer mehr UW - Gehäusehersteller dazu über, einen Universal - Domeport anzubieten, der sich ohne große optische Einbußen für diverse Festbrennweiten und Zoomobjektive eignet. Auch Sealux geht neuerdings diesen Weg und bietet ein großes, gewölbtes Domeglas an, das sich laut Hersteller für unterschiedliche Festbrennweiten eignet. UnterWasserWelt hat den Sealux - Dome mit dem 16 mm Nikon Kleinbild - Fisheye, dem 14 mm Kleinbild - Weitwinkel und dem 10,5 mm Nikon APS-C Fisheye getestet. In der Tat hat der Dome mit allen vorstehend genannten Brennweiten sehr gut gefallen. Bei Verwendung des 14 mm Kleinbild - Weitwinkels ist das Vorschalten eines Zwischenrings am UW - Gehäuse erforderlich. Dann müssen sich die Abbildungsleistungen nicht mehr vor anderen Domeglas - Varianten verstecken, im Gegenteil. Selbst kritischen Zeitgenossen dürften die Eckenschärfen genügen. Das 14er hat an der D2X die Wirkung eines 21 mm Weitwinkels und kommt somit unter Wasser auf einen Bildwinkel von 92°. Eine in den USA weit verbreitete Weitwinkelmethode ist das Kombinieren des 16 mm Fisheye Nikkors mit einem APS-C Bildsensor. Der stark reduzierte Bildwinkel - statt 180° sind es dann nur noch knapp 114° - führt zu anderen Sehweisen. Auch der übliche Fisheye - Effekt mit seinen torsionsartig gewölbten Rändern ist stark gemildert. Man bekommt, wenn die Kamera geschickt gehalten wird, den optischen Eindruck eines Kleinbild - Weitwinkels an einem Vollformat - Bildsensor mit enormer Schärfentiefe. In vielen fotografischen Situationen (Taucher, Korallen, Wracks) ist deshalb das 16 mm Kleinbild - Fisheye an der D2X eine ausgezeichnete und empfehlenswerte Brennweite. Echte Fisheye - Aufnahmen kann man an der D2X nur mit dem 10,5 mm APS-C Nikkor - Fisheye machen. Obwohl der Sealux - Dome nicht als Halbkugel geformt ist, sind die Abbildungsleistungen und die Randschärfen mehr als zufriedenstellend. Auf echte 180° diagonal kommt man wegen der fehlenden Halbkugel - Krümmung nicht, aber üppige 170° sind auch nicht von schlechten Eltern und reichen selbst in extremen Situationen (schlechte Sicht am Wrack) in allen Fällen aus. Das Bajonett passt exakt und ist easy zu handeln.

Praxistauglich

Das ist die D2X im CD 2-Gehäuse von Sealux ohne wenn und aber. Der AF ist so schnell, dass wir direkt auf die Kamera zuschwimmende Haie, die mit enormem Speed durchs Wasser pflügten, absolut scharf abbildeten. Der Nachführ - AF ist sensationell reaktionsschnell und auch standfest. Ihm genügt ein kleiner Kontrast und schon steht er auf dem Motiv. Das ist sehr angenehm bei Nah- und Makroaufnahmen, insbesondere aber bei der Serienfotografie. Angenehm fällt bei der Bedienung des CD 2 - Gehäuses auf, dass alle Eingriffe deutlich und irrtumsfrei beschriftet sind und zwar mit weißer Farbe auf grauem Grund. Das kann man selbst in 40 m Tiefe noch einwandfrei erkennen. Das bisher bei Sealux - Gehäusen standardisierte Marineblau musste leider einem mausgrauen Äußeren weichen. Ursache ist das Hardcoating der Gehäuseoberfläche. Es sieht vielleicht edler aus und ist auch oberflächenhärter, aber auf Bildern kommt die Gehäusefarbe etwas verloren daher. UnterWasserWelt trauert auch aus optischen Gründen dem alten Blau etwas nach. Es war charakteristisch für Sealux und ein Markenzeichen. denn auch andere UW - Gehäusehersteller springen mittlerweile auf den „Hardcore – Zug“ auf und tristen ihre Werke bis zum Abwinken. Tröstlich ist dabei, dass UW- Fotografen nur selten selbst fotografiert werden. Diskussionen kann die Anschaffung auslösen. Wir wollen nicht verhehlen, dass die Gerätschaft nicht primär von Durchschnittsverdienern gekauft werden wird. Und es kann einem angesichts solcher Summen durchaus der Verdacht kommen, dass Geld nur erfunden wurde, damit wir immer wissen, wie hoch wir verschuldet sind. Im Laufe der Zeit wird der Kamerapreis wohl etwas sinken, denn digitale Kameras halten selten ihr pecuniäres Verkaufsniveau. Aber trotzdem... Rettung für alle Bildpunktverehrer könnte die brandneue Amateurversion in Form der D 200 mit 10,2 Megapixel bringen. Auch dafür wird es ein Sealux - Gehäuse geben, das größere Massen binden wird... einfach wegen des zivileren Preises. Wer sich aber die D2X leisten kann, sollte es tun. Sie ist eine der professionellsten und besten digitalen Spiegelreflexkameras am Markt, die sich auch im Vergleich mit Canons Hyperpixel-Maschine EOS 1 Ds Mark II und ihren 16,7 Megapixel nicht zu verstecken braucht. Im CD 2-Gehäuse von Sealux kann sie sogar offiziell und offensiv zur Hochform auflaufen.